
Eigenschaften und traditionelle Verwendung
Ashwagandha / Schlafbeere (Withania somnifera (L.) Dunal) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), die auch als indischer Ginseng oder Winterkirsche bekannt ist (Gaurav et al., 2023). In der traditionellen indischen Medizin Ayurveda wird sie seit mehr als 3000 Jahren als „Rasayana“ verwendet, also als verjüngendes Mittel zur Förderung von Vitalität, Langlebigkeit und geistigem Wohlbefinden. Der Name „Ashwagandha“ bedeutet im Sanskrit „Geruch des Pferdes“ und verweist auf ihr charakteristisches Aroma sowie ihre angebliche Fähigkeit, Kraft und Ausdauer zu verleihen (Balkrishna et al., 2024). Ursprünglich stammt sie aus Nordafrika, Indien und dem Nahen Osten, wird heute jedoch auch in den südlichen Teilen Asiens und in Mittelamerika intensiv angebaut. Sie wächst überwiegend unter trockenen Bedingungen auf felsigen Böden, an Wegrändern oder in Buschsavannen (Malík and Tlustoš, 2023). Botanisch handelt es sich um einen verzweigten Strauch, der eine Höhe von 50 bis 100 cm, selten auch 2,5 m erreicht. Er besitzt kleine, glockenförmige, gelbgrüne Blüten und rote Beerenfrüchte, die von einem Kelch umschlossen sind. Am häufigsten wird die Wurzel verwendet, doch auch die Blätter besitzen therapeutische Wirkungen (González-Stuart et al., 2014).
Chemische Zusammensetzung und Wirkmechanismus
Ashwagandha enthält ein breites Spektrum bioaktiver Substanzen, darunter Alkaloide (Isopelletierin, Anaferin, Anahygrin, Withasomnin), Saponine, Flavonoide, Gerbstoffe und steroidale Lactone, die als Withanolide bekannt sind (z. B. Withaferin A) (Shinde et al., 2023). Insbesondere die Withanolide (Abb. 1), die strukturell den im Ginseng enthaltenen Ginsenosiden ähneln, gelten als die wichtigsten pharmakologisch aktiven Bestandteile, die für die adaptogenen, neuroprotektiven und entzündungshemmenden Wirkungen dieser Pflanze verantwortlich sind (Abdelwahed et al., 2023; White et al., 2016). Ashwagandha beeinflusst die Konzentrationen von Neurotransmittern wie Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Serotonin und Dopamin und unterstützt dadurch die kognitiven Funktionen, verringert Angstzustände und verbessert die Schlafqualität. Eine wichtige Rolle spielt auch die Modulation des Cortisolspiegels, die zur Verringerung der Stressreaktion des Körpers beiträgt. Die neuroprotektiven Wirkungen von Ashwagandha werden mit einer Verringerung des oxidativen Stresses, einer Verbesserung der mitochondrialen Funktion und einer erhöhten Aktivität antioxidativer Enzyme wie Superoxiddismutase (SOD) und Katalase in Verbindung gebracht (Majeed et al., 2023; Muralidhara, 2023). Untersuchungen an Tiermodellen zeigten, dass sie die Bildung reaktiver Sauerstoffradikale und die Lipidperoxidation im Gehirn verringern und dadurch die Nervenzellen vor degenerativen Prozessen schützen kann. Ein weiterer bedeutender Mechanismus ist ihr Einfluss auf das cholinerge System – die Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase und die Verringerung der Aggregation von Amyloid-β. Dies deutet auf ein Potenzial von Ashwagandha zur Vorbeugung neurodegenerativer Erkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, hin (Dar and Ahmad, 2020).

Abbildung 1.Schlafbeere – die wichtigsten bioaktiven Verbindungen aus der Gruppe der Withanolide.
Einfluss auf die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit
Randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass eine Supplementierung mit Ashwagandha-Extrakt über einen Zeitraum von 8–12 Wochen das Arbeitsgedächtnis, die Reaktionszeit und die allgemeine kognitive Flexibilität verbessert (Choudhary et al., 2017). Untersuchungen an gesunden Personen sowie an Menschen mit chronischem Stress bestätigten, dass die tägliche Einnahme von 225–600 mg Extrakt den Cortisolspiegel deutlich senkt, die Schlafqualität verbessert und das allgemeine geistige Wohlbefinden steigert (Leonard et al., 2024; Xing et al., 2022). Neben den Wirkungen auf das Nervensystem wurde nachgewiesen, dass Ashwagandha die Blutbildung unterstützt – sie erhöht die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen und den Hämoglobingehalt, was zu einer besseren Sauerstoffversorgung des Gewebes und einer Steigerung der aeroben Kapazität führt (Jówko et al., 2025). Ashwagandha hat sich somit auch als Mittel zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit bewährt. Studien an Sportlern zeigten, dass ihre regelmäßige Einnahme zu einer Zunahme der Muskelkraft und Ausdauer sowie zu einer verbesserten Regeneration nach körperlicher Belastung führt (Coope et al., 2025). Der Wirkmechanismus beruht vermutlich auf der Modulation von Stresshormonen und einer verbesserten Sauerstoffversorgung der Muskeln (Bonilla et al., 2021).
Dosierung und Anwendungssicherheit
Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 6–10 g getrockneter Wurzel oder 750–1250 mg eines standardisierten Extrakts mit einem Gehalt von mindestens 5 % Withanoliden (Sharma et al., 2025; Tandon and Yadav, 2020). Es wird empfohlen, mit einer niedrigeren Dosis zu beginnen und diese schrittweise zu erhöhen, um das Risiko unerwünschter Wirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Schläfrigkeit zu minimieren. Der günstigste Einnahmezeitpunkt ist abends, da höhere Dosen eine beruhigende Wirkung haben können (Cheah et al., 2021; Tandon and Yadav, 2020). Ashwagandha gilt allgemein als sicher, ihre Einnahme kann jedoch die Schilddrüsenhormonspiegel beeinflussen. Studien deuten darauf hin, dass sie die Spiegel von Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) erhöhen kann, was für Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion problematisch sein könnte (Wiciński et al., 2023). Schwangere und stillende Frauen sollten auf eine Supplementierung besser verzichten, da die Auswirkungen auf den Fötus nicht ausreichend untersucht sind (Malík and Tlustoš, 2023). Die Einnahme von Ashwagandha kann außerdem zu Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln führen, darunter Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck sowie Beruhigungsmittel und Immunsuppressiva. Daher ist es wichtig, vor Beginn einer Supplementierung die Einnahme mit einem Arzt zu besprechen, insbesondere wenn Sie andere Medikamente einnehmen oder gesundheitliche Beschwerden haben (Rasheed et al., 2024). Am bequemsten ist jedoch die Dosierung mithilfe eines Ashwagandha-Sprays.
Mögliche Alternativen und verwandte Präparate
Zu den möglichen Alternativen oder ergänzenden Präparaten zählen verschiedene Substanzen und Heilpflanzen, beispielsweise Rosenwurz (Rhodiola rosea), ein Adaptogen, das für seine Fähigkeit bekannt ist, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress zu erhöhen, die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern und Müdigkeit zu verringern (Wal et al., 2019). Echter Ginseng (Panax ginseng) wird traditionell zur Stärkung der Vitalität, zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit und zur Steigerung der körperlichen Ausdauer verwendet (de Oliveira Zanuso et al., 2022). Hinzu kommt das Kleine Fettblatt (Bacopa monnieri), eine im Ayurveda zur Unterstützung von Gedächtnis, Lernen und Konzentration verwendete Pflanze (Dubey and Chinnathambi, 2019; Gokhale et al., 2025). Ginkgo (Ginkgo biloba) wird für seinen positiven Einfluss auf die Durchblutung des Gehirns geschätzt (Noor-E-Tabassum et al., 2022). Eine weitere Möglichkeit ist Curcumin, ein Wirkstoff mit entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften. Dieser natürliche orangefarbene Farbstoff wird aus den Rhizomen von Pflanzen der Gattung Curcuma gewonnen, insbesondere aus Kurkuma (Curcuma longa, Synonym Curcuma domestica) und der Zitwerwurzel (Curcuma zedoaria) (Ayati et al., 2019).
Für Kratom World verfasst von:
Ing. Matěj Malík, Ph.D.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Postdoktorand
Fakultät für Agrobiologie, Lebensmittel- und Naturressourcen, Tschechische Agraruniversität Prag (ČZU)
Lehrstuhl für Agrarumweltchemie und Pflanzenernährung
Vielen Dank fürs Lesen,
Ihr Kratom World
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